Die Sonnenfinsternis in Süddeutschland am 11. August 1999

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                     Sofi 99: Wir habens gesehen!!!!
                                "Der liebe Gott ist ein Hobby-Astronom"
So titelte die Lokalausgabe der Augsburger Allgemeinen Zeitung und beschreibt damit das Gefühl aller in Diedorf am 11. August 1999. Diesen Artikel und noch andere finden Sie hier.
                                Die totale Sonnenfinsternis 1999 (eine kurze Beschreibung)

Dienstag, 10.08.99: Letzte Vorbereitungen zum Mega-event in der Sternwarte Diedorf. Fernrohre werden organisiert, Holzhütten bestellt, Absprachen getroffen, Stellwände aufgestellt, übers Wetter geredet, Absagen von Gruppen registriert, noch schnell eine Ausstellung zur Sonnenfinsternis eröffnet und eine Kindergruppe vom Ferienprogramm betreut. Auf der Beobachtungsplattform werden Fotoapparate installiert, Videokameras aufgestellt, ein Fotoprogramm nochmal schnell durchgespielt und wieder übers Wetter geredet.

Mittwoch, 11.08.99,

08.00 Uhr: Der Himmel strahlt in herrlichem Blau über der Sternwarte in Diedorf. Die Sonne scheint. Trotzdem ständig ein kritischer Blick an den Himmel. Am Horizont ziehen dunkle Wolken auf und kommen immer näher. Die Optimisten installieren eine Videoprojektion im Freien. Stände werden errichtet und bestückt. Die Teleskope werden vorbereitet. Die Straße wird gesperrt.

09.00 Uhr: Die ersten Besucher treffen ein. Noch immer ein hektisches Treiben vor der Sternwarte und in der Aula der Schule.

10.00 Uhr: Der erste Vortrag läuft. Immer mehr Besucher rücken an. Auch die angemeldete französische Jugendgruppe ist schon da. Plötzlich, die ersten Regentropfen. Die Videoanlage wird ins Trockene gebracht. Jetzt muss die Plane her.

11.00 Uhr: Die Sonne scheint wieder. Sämtliche Fernrohre werden vor der Sternwarte in Stellung gebracht. Die Sonne wird überall auf eine weiße Fläche projiziert. Sonnenflecken sind sichtbar. Immer mehr Besucher treffen ein. Da, um viertel nach 11 der "Erste Kontakt". In allen Teleskopen für die Besucher eindeutig sichtbar. Jetzt wirds langsam kribbelig. Rechtzeitig werden noch Brillen ausgeteilt. Die französischen Jugendlichen liegen auf dem Asphalt, schauen zur Sonne und singen Lieder. Auch Amerikaner, Holländer und andere Nationalitäten sind inzwischen eingetroffen. Der Mond schiebt sich langsam aber sicher vor die Sonne. Am Mondrand sind deutlich Berge, Täler und Krater zu erkennen. Jetzt bedeckt der Mondrand einen Sonnenfleck. Die Spannung steigt.

12.00 Uhr: Immer wieder gleiten Wolken vor die Sonne, aber die Lücken dazwischen werden immer größer und blauer. Hoffnung kommt auf. Schließlich sehen wir Sonnensicheln unter den Bäumen, der sog. Lochkameraeffekt. Das Licht wird fahl. Noch immer ist aber die Sonne sehr hell.

12.15 Uhr: Eine dicke Wolke verhindert den Blick auf die Sonne. Alle Teleskope werden eingepackt. Es Regnet? Nein. Wir haben schon vorher beschlossen, die Totalität ohne Teleskope zu betrachten.

12.30 Uhr: Die letzte Wolke zieht an der fast dunklen Sonne vorüber, dahinter strahlend blauer Himmel. Was haben wir getan, dass wir mit so viel Glück geschlagen werden. Es ist schon fast dunkel, Schüttelfrost erfasst jeden. Einige haben sich abgesetzt, einen ruhigen Platz zum Beobachten gesucht. Auch ich bin ein wenig von den Menschenmassen weg, bleibe aber nicht lange allein. Es gibt keine Antworten mehr. Ich beantworte keine Fragen mehr!!!! Ich schau zum Himmel. Nur noch ganz wenig Sonnenlicht. Die Natur schweigt. Da, plötzlich schiebt sich der Mond vor die Sonne. Im Hintergrund nehme ich Rufe war, Jubelschreie. Um mich herum nur staunen. Einer fragt "Was ist denn das für ein Stern?". "Halts Maul", "Egal" sind die Antworten. Am Südhorizont ist es hell. Die Korona wird sichtbar. Zittern, Schüttelfrost und Begeisterung erfasst mich. Schließlich werden Protuberanzen sichtbar. In leuchtendem Rosa schießen sie über den Mondrand hinaus. Ausgerechnet jetzt fliegen zwei Düsenjäger rum, sind denn die bescheuert? Hinter uns immer wieder Jubelschreie. Die Menschen sind fasziniert. Natürlich sind auch die Venus und der Merkur sichtbar. Auch Sirius hebt sich vom dunklen Himmel ab. Dann der Perlschnureffekt und gleich danach ein riesiger Lichttropfen der sich am Mondrand vorbeizwängt. Fantastisch. Einzigartig. Sind die fast 2 1/2 Minuten schon vorbei? Ja, leider. Es wird wieder heller und wärmer. Wir zittern immer noch. "Jetzt weiß ich endlich von was du immer gesprochen hast", sind die ersten Kommentare an mich. Es war ja immerhin schon meine dritte. Aber noch immer hab ich weiche Knie. Langsam schwanke ich zurück zur Menschenmenge. In allen Gesichtern sehe ich Begeisterung, Entsetzen und noch andere Gefühle zugleich. "Super, daß ich nicht wo anders hingefahren bin", "Danke für dieses einmalige Schauspiel", "Geil, Geil, Geil", "Mann hatten wir ein Glück", "Wo und wann ist die nächste?". Diese und andere Worte werden überall laut ausgesprochen. Die Besucher fallen sich in die Arme. Sekt und andere Getränke werden einfach rumgereicht und es wird auf dieses Himmelsschauspiel angestoßen. Ein Ruf zur Beobachtungsplattform: "Und wie wars?" und zurück kommt: "Waaaaaaaaaahnsinn". Unmerklich hat sich der Himmel zugezogen. Keiner hat gemerkt dass es sogar inzwischen regnet. Dies hat einfach niemanden mehr interessiert. Einzelne Gruppen kommen von ihrer Beobachtungsstelle wieder zurück und fallen sich immer noch in die Arme.

13.15 Uhr: Es regnet, als ob tatsächlich die Sintflut einsetzen wolle. Jetzt müssen auch wir rein. Auf der Leinwand sehen wir noch Wiederholungen der Fernsehliveübertragungen. Wir schwanken ständig zwischen Schadenfreude und Mitleid. Erst jetzt wird uns so richtig unser riesiges Glück bewußt. Noch immer sind wir total hingerissen von dem soeben erlebten. Ich denke, das wird auch noch eine ganz Weile so bleiben.